Cockatoo Island

Dem Namen nach hatte ich ja eine Insel voller bunter Kackadus und anderer exotischer Vögel erwartet, die zu Hunderten in den Bäumen hocken und wild durcheinander schreien. Nachdem ich mich im Internet kurz informiert hatte, musste ich meine Erwartungen aber etwas anpassen: Cockatoo Island war wohl mehr so etwas wie das australische Alcatraz, auf dem die Schlimmsten der Schlimmen untergebracht wurden (was schon einiges heißen will, wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Leute ohnehin schon zum Verbüßen einer mehrjährigen Gefängnisstrafe  nach Australien geschickt wurde).

Per Fähre konnte ich vom Circular Quay ganz bequem übersetzen, nachdem mich die Dame am Schalter um zwei Dollar betrogen hatte (ist mir natürlich erst später aufgefallen). Dort angekommen musste ich meine Erwartungen aber noch ein weiteres Mal anpassen. Denn Cockatoo Island war nicht nur eine Gefängnisinsel, es war eine riesige Industrieanlage für den Schiffsbau, hatte Australiens erstes Trockendock, war deshalb ein Reparaturhafen für beschädigte Schiffe im Ersten und Zweiten Weltkrieg, war Ausbildungsstätte für bis zu 400 Ingenieursgesellen gleichzeitig, hatte einmal eine Mädchenschule, und schließlich wurde hier auch noch Religionsunterricht erteilt (http://de.wikipedia.org/wiki/Cockatoo_Island_(Sydney).

Tatsächlich waren die vielen Maschinen und Kräne, die auf der Insel so vor sich hinrosten, sehr interessant. Auch wenn ich mit den meisten Maschinen, die in den Hallen rumstanden, nur wenig anfangen konnte, war allein schon ihre Größe sehr beeindruckend und ließ mich erahnen, welche gigantischen Bauteile hier hergestellt und verbaut wurden.

Besonders interessant ist, dass auf der so viele Gebäude aus verschiedenen Epochen nebeneinaner stehen: Die Gefangenenbaracken, aus massivem Stein geschlagen, stehen nicht weit entfernt von den Offiziersunterkünften, die immerhin schon aus Holz und Ziegelsteinen bestehen, etwas weiter finden sich riesige Hallen aus Stahl und Wellblech, während ein paar Meter weiter (relativ) moderne Häuser den Hafen überblicken und Luftschutzbunker stehen (weil Angst vor Angriffen im Zweiten Weltkrieg – is’ aber nix passiert, locker bleiben). Niemand hat sich die Mühe gemacht, ein Gebäude abzureißen. Die Gebäude wurden entweder an ihren neuen Zweck angepasst oder man hat einfach ein paar Meter daneben ein neues errichtet. Aus heutiger Persektive ist das natürlich sehr cool, weil man so die Entwicklung der Insel so schön nachvollziehen kann.

Aber ich sollte nicht ganz enttäuscht werden, was Vögel angeht. Denn auf Cockatoo Island lungern unzählige Möwen rum, denen es gelungen ist, meine tiefe Abneigung gehen diese Biester in blanken Hass zu verwandeln. Nicht nur sind diese Viecher gefräßig und unglaublich dreist, wenn sie vermuten, dass man etwas Essbares in der Tasche hat, sie werden auch noch aus heiterem Himmel aggressiv, wenn man versehentlich einem Nest zu nahe kommt. Mal ehrlich, wer sein Nest direkt neben einem Gehweg baut, muss sich echt nicht wundern, wenn er mal Besuch bekommt. Eine Möwe musste ich mit einem Steinwurf abwehren (hab verfehlt, aber die Message war klar) und bei einer anderen Gelegenheit sah ich gezwungen, gar den Rückzug anzutreten, weil eine hysterische Möwe sich direkt vor einer Brücke, die ich gerne überqueren wollte, gar nicht mehr eingekriegt hat. Normalerweise würde mich ein Vogel ja nicht stören. Als Berliner bin ich halbstarke Zwergpinscher gewöhnt, die mehr Lärm machen als sie an Echo vertragen können. Aber als Berliner weiß man eben auch, dass 20 Zwergpinscher (in diesem Fall: Möwen) schon gefährlich sein können. Wie bei einer Ameisenarmee reicht da die pure Masse, um selbst einen Titan wie mich zu Fall zu bringen😛 Lange Rede, kurzer Sinn: Fluchend trat ich den Rückzug an und nahm den langen Weg – und schwor blutige Rache.

Und übrigens: Ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2014 wünsche ich Euch allen!

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